Sternalgie
(Sternodynie)

Der Begriff

Der Wortteil "Stern" leitet sich aus "Ste rnum" (= Braustbein) ab und "algie" bedeutet Schmerzhaftigkeit. Sternalgie steht dem nach für einen Brus t beinschmerz.
 
Manche Autoren verwenden statt Sternalgie auch den Begriff Sternodynie.

Am häufigsten tritt eine Sternalgie nach einer Verletzung bzw. Prellung auf, nicht selten im Rahmen eines Verkehrsunfalls, wenn der Sicherheitsgurt entsprechend einwirkt. Auch nach einer Thora kotomie (= operative Eröffnung des Brustraumes) kann es zu einer Sternalgie kommen, verursacht i.d.R. durch eine unspezifische, aseptische (= nicht von Krankheitserreger verursachte) Periostitis (= Knochenhautentzündung).

 

Sehr hilfreich ist in diesen Fällen die therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von wiederholten, großzügigen Infiltrationen des Brus tbein bereiches, wobei aber der Knochen - bzw. die Knochenhaut selbst nicht tangiert werden darf, da dies zu zusätzlichen Schmerz reizen führt.

Eine Sterna lgie kann auch bei einer Costochondritis auftreten. Dabei handelt es sich um eine En tzündung des Knorpels an den sternokostalen Übergängen (= Übergänge vom Brus tbein zu den Ri ppen). Die Costochondritis kommt eher selten vor, sie tritt meist im Rahmen einer systemischen (= den ganzen Körper betreffenden) Erkrankung auf, so z.B. beim Morbus Reiter (= reaktive entzündliche Systemerkrankung vorwiegend bei jüngeren Männern mit En tzündungen der Bindehaut, Harnleiter und Gelenke).
Die Behandlung erfolgt wie beim Morbus Tietze (siehe unten). 
Manche Autoren bezeichnen auch den das Tietze-Syndrom als Costochondri
tis, was aber im eigentlichen Sinne nicht zutrifft.

Eine Sternalgie (Sternodynie), die hinter dem Brus tbein (Ste rnum) empfunden wird, weist auf Erkrankungen der Speiseröhre oder auch auf die Koronare Herzkrankheit hin. Auch Schmerzen infolge eines Magengeschwürs können hinter das Brus tbein ausstrahlen.

Schmerz therapeutisch bedeutsam ist eine Sternalgie beim Tietze-Syndrom.  
Diesem liegen Störungen im Bereich der oberen sternokostalen Übergänge
(= Übergänge vom Brus tbein zu den Rippen) zugrunde, hervorgerufen durch synchondrosennahe (= nahe am Knorpelgelenk gelegene) Überlastungs- oder Ermüdungs(mikro)brüche, nicht selten nach einer Thora kotomie (= operative Eröffnung des Brustraumes).
  
In der Regel geben die betroffenen Patienten einen einseitigen, unspezifischen, linksbetonten Brus
tbeinschmerz mit Ausstrahlung in den Brus tkorb an, der bei Beschwerdezunahme auch in den linken Arm ausstrahlen und dann Herzbeschwerden vortäuschen kann. Bei manchen Patienten strahlen die Schmerzen auch in die linke Halsseite aus.
In vielen Fällen bestand bei Patienten mit einem Tie
tze-Synd  rom deshalb in der Vorgeschichte schon häufiger der Verdacht auf Herzinfarkt
Bei rechtsseitiger Beschwerdelokalisation kann es auch zu einer Schmerz
ausstrahlung in den rechten (Ober-) Ar m kommen. 
Vegetative Begleiterscheinungen, wie beschleunigter Puls und Hitzegefühl sind nicht selten und der Schmerzcharakter ist oft brennend oder glühend, also ganz im Sinne einer Sympathalgie
(= Schmerzen, ausgehend vom vegetativen Nervensystem) bzw. eines Quadranten-Syndrom s (= vegetativer Schmerz im Bereich eines Körperviertels).  
Beim Quadrantensyndrom folgt die Schmerzausbreitung nicht der segmentaler Ordnung der Nerven sondern mehr dem Verlauf eines größeren Blutgefäßes. 

Bei der Untersuchung sind beim Tie
tze-Synd  rom die schmerzseitigen Rippenansätze am Brus tbein (Ster num) deutlich druckschmerzhaft und erscheinen aufgetrieben. Bei Druck kann häufig der vom Patient geschilderte Schmerz im Brus tbeinbereich deutlich verstärkt werden.

Die Schmerzbehandlung bei Tie tze-Synd  rom ist einfach und überwiegend erfolgreich:

Bewährt hat sich die Therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) (z.B. Bupivacain 0,5%) in Form von wiederholten Infiltrationen (z.B. 2 mal täglich über 10 Tage) der schmerzhaften Rippenansätze am Brus tbein (evtl. auch mit Kortikoidzusatz). 
Zur Vermeidung einer folgenschweren Verletzung des Mediastinums
(= Mittelfellraum, unter dem Brus tbein gelegen) empfiehlt es sich, die Kanüle (= Spritzennadel) nicht senkrecht zur Haut einzustechen, sondern stets in einem Winkel von ca. 45 Grad. 
Wohltuend empfindet der (schlanke) Patient auch das Auftragen einer anästhesierenden
(= betäubenden) Salbe, z.B. EMLA® oder ASS in Äther gelöst. Auch kann eine Iontophorese (= Einbringen eines Medikaments durch die Haut mit Hilfe eines elektrischen Stroms) mit z.B. Diclofenac hilfreich sein. 
In hartnäckigen Fällen muß die beschriebene therapeutische Lokalanästhesie konsequent 2 mal täglich (auch am Wochenende) durchgeführt werden, was i.d.R. allerdings nur unter stationären Bedingungen durchführbar ist. 

Als nächst höhere Therapiestufe kommt bei einer Sternalgie (Sternodynie) dann die wiederholte Blockade des Ganglion stellatum (= eine Schaltstelle des unwillkürlichen Nervensystems im seitlichen Halsbereich) in Frage.
Vorübergehend ist auch die Verordnung eines tri- oder tetrazyklischen Antidepressivum
s (= Mittel zur Behandlung einer Depression) zur Schmerzdistanzierung sinnvoll, ebenso (vorsichtige) gymnastische Übungsbehandlungen zur Verbesserung der Thoraxmobilität (= Beweglichkeit des knöchernen Brustkorbs). 

Wenn eine chronische Sternalgie längerfristig besteht, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

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